Interview mit Prajnaparamita
 
 
     
Frage: Was bedeutet Dein Sanskrit Name und wer hat Ihn dir gegeben?
 
Prajnaparamita: Meine Meisterin ShantiMayi gab mir den Namen Prajnaparamita. Übersetzt bedeutet er 'Göttin der Weisheit' und auch die Mutter der Buddhas.
Die Hauptlehren von Shakyamuni Buddha, zusammengefasst in dem Werk 'Perfection of Wisdom' sind repräsentiert in der Figur von Prajnaparamita.
 
 
Frage: Würdest du von dir selbst sagen, dass du ein Guru oder ein Satguru bist?
 
Prajnaparamita: Ich sehe mich nicht als irgendetwas ich kann mich selbst nicht definieren. Oder - um es anders auszudrücken - meine Meisterin ShantiMayi sagte: 'Du bringst die Menschen nach Hause'. Diejenigen, die mit mir ihren Weg gehen, wissen dies; sie erkennen es. Aber ich kann von mir selbst nicht sagen, dass ich dies oder das wäre. Ich kann mich noch nicht einmal begrenzen, indem ich sage: 'Ich bin ein Guru' oder: 'Ich bin ein Satguru'. Das würde keinen Sinn machen.
Ich weiß nur, dass sich das Zusammensein mit meinen SchülerInnen wundervoll entfaltet - das kann ich sagen. Sie sehnen sich danach, nach Hause zu kommen, sie geben sich ihrem tiefsten Verlangen hin, und sie finden Ermutigung und Inspiration in unserem Zusammensein. So gehen wir zusammen durchs Leben, finden nach Hause - einem Zuhause, das nie jemand wirklich verlassen hat.
 
                        
 
               
Frage : Kann es sein dass die Persönlichkeit eines Gurus, die Art wie er oder sie sich außerhalb des Satsang-Settings verhält ein Hindernis für die SchülerInnen sein kann?
 
Prajnaparamita: Wie kann es da eine Differenz geben? Wie ist es möglich sich im Satsang auf eine bestimmte Weise zu verhalten und dann aus dem Raum herauszugehen und sich anders zu verhalten? Das erscheint mir ziemlich komisch. Wie kann es da eine solche Spaltung geben, wie kann es da eine solche Trennung geben? Und wenn da eine solche wäre, würde ich mich als SchülerIn schon verwundert am Kopf kratzen, absolut! Ich wäre verstört und verunsichert.
Wie kannst du etwas sagen und etwas anderes selber leben? Woher käme diese Spaltung?
 
 
Frage. Die Spaltung könnte vielleicht nur im Geist des Schülers existieren, aufgrund des Blickwinkels aus dem heraus er den Guru sieht.
 
Prajnaparamita: Sicher, kannst du immer sagen: 'Es ist nur im Kopf des Schülers!' aber das ist ein ziemlich verzwicktes Thema, weil der Guru immer sagen kann: 'Du bist es der die Spaltung kreiert'. Das würde dem Guru sogar die Entschuldigung geben zu tun was immer sie oder er will.

Das alles führt uns zu dem Begriff Integrität. Und die SchülerInnen spüren ob Integrität vorhanden ist oder nicht, ganz egal was für Spaltungen im Kopf sind. Sie fühlen die Integrität! Lasst uns dieses Konzept der Integrität also im Spiel behalten, besonders in diesem so sensiblen und tiefen Bereich der Beziehung von Guru und SchülerIn. Diese Beziehung ist so empfindsam und du wirst so verletzlich auf dem Weg.

Ich nehme das Konzept der Integrität jetzt aus dem Universum heraus und stecke es mir wieder zurück in meine Tasche. Ich behalte dieses Konzept, weil ich weiß wie viel Verunsicherung und Missverständnisse vorhanden sind, und Integrität viel zu leicht beiseite geschoben wird.
 
 
Frage: Ist es sinnvoll, die eigene innere Überzeugung nach außen zu bringen und auszuleben, wie z. B. dadurch, dass man auf die Straße geht und gegen Krieg demonstriert?
 
Prajnaparamita: Wenn du das Gefühl hast, das du es tun willst, dann tu es, auf jeden Fall! Mach dir noch nicht einmal Gedanken darüber, ob es sinnvoll ist oder nicht. Wenn du das Gefühl hast, du willst es tun, dann auf, mach es!
Und wieder hängt es vom Betrachtungswinkel ab: Wenn dein Herz von einer Situation berührt wird und Du fühlst dass du etwas tun musst: Dann tu es!
Sabotiere Deine Entfaltung und deine Ehrlichkeit nicht, indem du dich hinter spirituellen Konzepten versteckst wie 'alles ist perfekt' und 'die Welt ist so, wie sie sein soll'. Benutze spirituelles Gedankengut nicht, um deine Handlungsweise zu rechtfertigen. Sei ehrlich und aufrichtig, dann bist Du im Einklang mit der Wahrheit deines Herzens und mit dem, was du jetzt in deinem Leben erkannt hast. Sei einfach ehrlich!
Alles hat seinen eigenen Platz und den richtigen Zeitpunkt .
Lass all die spirituellen Konzepte los; vergiss sie, und lass uns tief in diesen Moment schauen.
Lebe deine Wahrheit, deine höchste Weisheit, deine größte Liebe, dein höchstes Mitgefühl! Deines! Nicht das aus den Büchern! Und hier kommen wir wieder zur Integrität zurück.
 
 
Frage: Gibt es außer der Integrität noch andere Qualitäten, die wichtig sind zu entwickeln?
 
Prajnaparamita: Natürlich, Qualitäten wie Großzügigkeit, Aufrichtigkeit, Beharrlichkeit, Geduld und Mitgefühl. Während unserer 'Sadhana' * zum Beispiel muss unsere Geduld so groß werden, dass Zeit nicht mehr gefunden werden kann .
Und wie können wir dahin kommen, das Leben genauso wahrnehmen wie es ist, wenn wir es nicht mit großer Aufrichtigkeit betrachten?
Und wie können wir das Verurteilen transformieren, wenn nicht in Mitgefühl?
Und wie können wir das Einssein in Allem sehen, ohne dass sich dadurch nicht auch Großzügigkeit entwickelt?
Und wie können wir den Ocean von 'Samsara' * überqueren, wenn wir nicht große Beharrlichkeit entwickeln um alle Ignoranz zu überwinden?
 
 
Frage: Prajnaparamita, hattest du verschiedene Gurus?
 
Prajnaparamita:Ja, ich hatte verschiedene Gurus. Aber von einer tiefern Betrachtungsweise aus, ist da nicht wirklich ein 'anderer' Guru. 'Guru' ist ein Prinzip, das Prinzip das von der Dunkelheit zum Licht bringt. Dieses Prinzip ist am leichtesten in Menschen zu sehen, die ihre wahre Natur, Ihre wirkliche Essenz erkannt habender sich selber als All-Einheit erkannt hat. Guru ist Eins - ein Prinzip, das sich in verschiedenen Körpern manifestiert. Ein Guru ist dazu da, dir dabei zu helfen deinen inneren Guru zu erwecken.
Bitte, richte dich auf einen lebenden Meister aus, der dir den Weg zeigen kann und auch all die Fallstricke und Hindernisse. Eine lebende Meisterin, die dir einen Stoß versetzen kann, dich vorantreiben, dich inspirieren , ermutigt und Kraft gibt.
Und es ist nicht möglich, einen verstorbenen Meister dadurch zu betrügen, dass du dich auf einen 'anderen' Meister ausrichtest. Guru ist EINS! Dein verstorbener Meister wird dich für immer unterstützen. Immer!
Ich wünsche mir, dass dies eine Anregung sein kann für alle, die denken, dass sie nicht mit einem 'anderen' Meister sein können, weil sie damit einen Verrat an der Liebe zu ihrem ursprünglichen Meister begehen. Aber das kannst du nicht! Achte stattdessen darauf, nicht einen Betrug an der Sehnsucht deines Herzens zu begehen! Finde Wahrheit, finde Freiheit, und lass nichts dazwischen stehen! Stelle keine Bedingungen, kein 'ja, aber'. Geh einfach für die Wahrheit. Mache dies zu deinem höchsten Ziel, zögere nicht und warte auf nichts, geh einfach. Die Meister sind eins, und ein lebender Guru ist solch eine fantastische Hilfe, den inneren Guru in dir zu erwecken: die Einheit!
GEH! Lasst uns nach dem Großen Mantra und der Inspiration des Herz-Sutra* leben. 'Gate Gate Paragate Parasamgate Bodhi Svaha' - 'Geh - Geh jenseits davon, jenseits des Höchsten, jenseits der höchsten Erkenntnis'.
Selbsterkenntnis ist nicht ultimative Form des Seins. Sei bereit dafür, dich immer tiefer zu öffnen, immer weiter zu werden, dich zu verfeinern, immer spürsamer zu sein. Es gibt kein Ende.

 

 
*Sadhana: Spirituelle Praxis /Übung
*Samsara: Reisen; Der Kreislauf von Geburt, Tod, und Wiedergeburt, den jeder Mensch durchläuft, solange er in Ignoranz und seine wahre göttliche Natur noch nicht erkannt hat.
*Herz Sutra: Eine 1500 Jahre alte Sanskrit-Schrift, welche die Essenz zur Entwicklung von Zen und Chan Tradition darstellt.