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Einleitung von Johan vd Kooy
Ich glaubte zu wissen, was Selbstrealisation sein würde: Nach einer langen Periode von Meditation und Kontemplation würde ich ankommen in einem blendenden Moment von Gnade und Klarheit. Mittlerweile bin ich nicht mehr sicher, ob dieses endgültige Ankommen wirklich existiert... Selbstrealisation scheint sich nicht nach vorgegebenen Mustern zu manifestieren.
Am Ende kommt jeder Sucher zu Hause an...
Natürlich sind das nur Worte, die beschreiben wie ein offensichtlicher Träumer offensichtlich erwachen soll. Im klaren Tageslicht gibt es keine Persönlichkeit, die Erleuchtung erreichen wird. Das genau ist ein Anfangspunkt der Non-Dualität. Die Idee der so genannten getrennten Identität, die wir Persönlichkeit nennen, verschwindet in dem Moment, in dem gesehen wird, dass es so etwas wie Trennung nicht gibt.
Traditionell gesprochen endet der Weg von Advaita Vedanta in Selbstrealisation oder Erleuchtung. Aber kommt dieser Weg wirklich an ein Ende? Oder gibt es einen Prozess nach der Selbstrealisation? Ist Selbst-Realisation noch eine Erfahrung? Johan van der Kooij sprach über diese Fragen mit Prajnaparamita.
Frage: Meine vorherigen Lehrer, Wolter Keers und Jean Klein haben nie über die Phase nach der Selbstrealisation gesprochen. Deswegen habe ich gedacht, dass man darüber nicht spricht. Wie auch immer, meine Neugierde zu diesem Thema ist größer geworden als mein Anstand. Gibt es tatsächlich einen Prozess nach dem Realisieren des Selbst?
Prajnaparamita: Was ist Selbstrealisation eigentlich? Lass uns zuerst darüber sprechen. Jeder hat dafür sein eigenes Wörterbuch. Selbstrealisation wird ziemlich verschieden interpretiert. Auf der tiefsten Ebene weiß ich nicht was es ist... was es tatsächlich ist, kann nicht gesagt werden, bis dahin reichen Worte nicht... trotzdem kann ich einen Versuch machen: Man kann höchstens darauf hinweisen. Es gibt wundervolle Zeugnisse und Aufzeichnungen, niedergeschrieben aus den erleuchteten Reden der Meister. Es gibt sehr schöne Poesie und mystische Ausdrücke, durch die man den Geschmack der Erleuchtung kosten kann. Aber, was es wirklich ist, kann nicht gesagt werden. Es gibt Wörter, die einen Hinweis geben, wie: Wahrheit, Freiheit, Frieden, Liebe und Weisheit. Diese sind einige der unbenennbaren Geschmäcker. Aber was ist all das? Was bedeutet das alles?
Frage: Kannst Du etwas mehr darüber sagen? Prajnaparamita: Das englische Wort Mind (im Deutschen: Verstand - Mind wird verstanden als die Summe von Gedanken und Empfindungen) kommt von dem Sanskrit Wort "manas": das, was beurteilt und vergleicht. Der Standpunkt, den wir "Ich" nennen, sich beziehend auf alles, was vergleicht und beurteilt, muss als Illusion gesehen werden. Diese Überzeugung ist der Unterschied zwischen Unwissenheit und Freiheit. "Ich" ist der Unterschied zwischen Unwissenheit und Freiheit. Man muss sehen, das es kein Ich und kein Du gibt, kein Ich und die Welt, kein Innen und kein Außen, nur das unteilbare Eine. Und sogar dieses Eine ist zu viel. Diese Sicht ist so tief; Worte kommen da nicht hin, keine Erfahrung kommt da hin. Unerschütterlich in dieser Realisation verankert sein... Nichts mehr verteidigen, nichts mehr beweisen, nichts mehr zurückweisen. Einfach verfügbar sein mit einem klaren Kopf und einem überfließenden Herzen.
Frage: Ist diese tiefe Einsicht Selbstrealisation?
Prajnaparamita: Selbstrealisation ist keine Einsicht. Egal wie tief deine Einsicht ist, egal wie weit deine Einsicht ist, dies ist noch keine Selbstrealisation. Selbstrealisation ist die Vollendung aller Einsichten. Werde zu einem Gebet für Gott, opfere all deine Einsichten und erlaube dir übernommen zu werden. In diesem endgültigen Moment der Gnade verflüchtigt sich und verschwindet all das Wissen der Einsichten. Das Eine verflüchtigt sich und verschwindet und aus dem Nicht-Wissen wird Weisheit aufsteigen.
Frage: Also, sogar die höchste Einsicht ist keine Realisation?
Prajnaparamita: Da ist noch eine Art "Ich"; Ich, dass solche eindrucksvollen Einsichten und solche wunderbaren Offenbarungen hat. Die Erfahrung von Subjekt/Objekt, das Gefühl von hier und da, ich und du, dies und das, ist noch da. Die Wahrnehmung des Beobachtens ist noch da. Damit nicht genug, da ist noch die Vorstellung von einem Beobachter, von dem, was beobachtet ist und dem Beobachten selbst; dieses Dreieck ist noch da. Alles davon muss verdampfen, verbrennen oder implodieren. Stück für Stück wirst du erkennen, dass alles leer ist. Du wirst sehen, dass alle Gedanken leer sind, alle Gefühle sind leer, alle Erfahrungen sind leer und die gesamte Manifestation ist leer, inklusive dessen, der sieht. Du musst durch die Erfahrung von Leere gehen und anschließend musst du sehen das Leere auch ein Konzept ist, transparent und illusorisch. Leere ist ein Konzept, Gott ist ein Konzept, Selbstverwirklichung ist ein Konzept.
Frage: Wenn Du das realisierst, ist das auch eine Offenbarung?
Prajnaparamita: Ja, sooooo subtil!
Frage: Verschwindet die vermeintliche Dualität von dem Beobachter und dem Beobachtetem in dieser Offenbarung?
Prajnaparamita: Ja, die Wahrnehmung von einem Beobachter verflüchtigt sich gänzlich. Was dann? Worte sind zu klein, aber wenn wir es in Worte fassen müssen...: Offenheit, Klarheit, Natürlichkeit, Verfügbarkeit. Du lebst einfach dein Leben aus, als das Leben selbst.
Frage : Hast Du noch eine Wahrnehmung von einem Beobachter und dem, was beobachtet ist? Prajnaparamita: Nein, das ist Verschwunden. Das Verschwinden passierte so unglaublich subtil. Wenn ich nicht sehr aufmerksam gewesen wäre, hätte ich es nicht einmal wahrgenommen. Stell dir vor, du gehst im Nebel spazieren und langsam wird deine Jacke, deine Kleidung, deine Haut feucht. Wenn du zu Hause ankommst, bist du durch und durch nass, aber du hast es nicht einmal bemerkt, es passierte so nach und nach. Und dein Kamerad sagt zu dir: "Wow, bist du nass!" Das ist die Art, wie es tatsächlich bei mir passierte, ich habe es kaum wahrgenommen, es war so dünn, so verdünnt, da gab es keine Frage von: Aha, ja, schau: Jetzt ist Realisation da.
Frage: Passiert das für jeden unterschiedlich? Prajnaparamita: Ja, Realisation ist eine einzigartige Öffnung für jeden und alle. Auch jedermanns Sadhana* ist total einzigartig. Also, eine persönliche Aussage ist immer ein wenig delikat, weil Menschen dazu neigen zu denken: Oh, so geht das, auf diese Art und Weise muss es sein...
Frage: Bezugnehmend auf vom Nebel durchnässt sein, hast Du außergewöhnliche Momente durchlebt? Prajnaparamita: Ja, immense... große Offenbarungen. Eigentlich all diese Jahre... besonders während der ersten drei Jahre mit Alexander*, in denen ich die Lehren empfangen habe, viel Wissen und viele große Einsichten. Und später auch mit ShantiMayi, durchdrungen von ihrem blendenden, mitfühlenden Licht, als alles nach und nach "abgerundet" wurde. Es gab eine lange Periode, in der für mich alles klar war, aber noch etwas gefehlt hat. Ich wusste, dass etwas fehlte, auch wenn ich nicht genau wusste, was es war. Ich hatte jegliches Interesse an allem verloren. Ich lebte in der Wüste des Nichts. Jede Aktivität war eine große Anstrengung. Alles war zu viel, manchmal war sogar Atmen eine Anstrengung. Das ganze Leben war wie ein zu kleiner Schuh. Jahrelang wartete ich... auf "das", auf das Aufsteigen des Phönix aus der Asche. Ich lernte, was Geduld ist. Ich entdeckte, dass Geduld keine Zeit kennt. Am Ende transformierte sich das Warten selbst in eine unendlich tiefe Verbeugung in den ewigen Moment Jetzt. Damit waren alle Erwartungen schließlich ausgelöscht. Frage : Was war es, dass sich verändert hat? Prajnaparamita: Ich weiß es nicht. Was hat sich verändert? Ich weiß es nicht! Irgendeine Veränderung nach diesem endgültigen Nicht-Moment? Nun, Zweifellosigkeit setzte ein. Und mit ihr, wurde Autorität geboren, aus einem komplett anderen Stoff gemacht als die Autorität im persönlichen Sinne, die wir kennen. Frieden kam, Entspannung kam. Leben in grundloser, grenzenloser Freude, das Leben in Hingabe lebend, einfach dem Willen der Existenz lauschend.
Frage: Und wie war es kurz nachdem der Phoenix aufgestiegen war?
Prajnaparamita: Für eine lange Zeit war da eine tiefe Stille. Ich war soviel wie möglich mit mir selbst. Es war nicht einfach zu sprechen. Ich konnte die Worte nicht mehr finden, da war kaum noch Kapazität Konzepte, Bilder zu formen und alles war so verdünnt. Sogar jetzt noch, während des Satsangs, habe ich wirklich nichts zu sagen. Meistens müssen die Menschen mit Themen und Fragen kommen. Das bringt mich in Bewegung und dann kommen die Wörter, wie eine Flut.
Frage: Also, sogar die höchste Einsicht ist keine Realisation?
Prajnaparamita: Da ist noch eine Art "Ich"; Ich, dass solche eindrucksvollen Einsichten und solche wunderbaren Offenbarungen hat. Die Erfahrung von Subjekt/Objekt, das Gefühl von hier und da, ich und du, dies und das, ist noch da. Die Wahrnehmung des Beobachtens ist noch da. Damit nicht genug, da ist noch die Vorstellung von einem Beobachter, von dem, was beobachtet ist und
Frage : Wenn ich eine Frage stelle, dann antwortest Du...? Prajnaparamita: Ja, dann kommt etwas auf Grund der Bedeutung deiner Frage, aber da ist kaum ein Impuls aus mir heraus. Eines Tages bat ShantiMayi mich, Satsang zu geben. Anschließend saß ich wieder auf der Couch, wie ich es für eine lange Zeit getan hatte. Ich habe absolut keine Initiative ergriffen. Nach drei Monaten sagte sie: "Und hast du schon begonnen?" Ach ja, Satsang geben, oh, ja, ja, richtig, das ist wahr, ich werde Satsang geben... aber ich saß einfach noch auf der Couch. Wieder einige Monate später schrieb sie eine e-mail: "Wirst du jemals beginnen?" Offensichtlich sah sie, dass es keinen Motor in mir gab, so gab sie mir einen großen Impuls anzufangen. Das muss immer noch geschehen während des Satsangs. Menschen müssen mich in Bewegung bringen, sonst bin ich im Satsang mit so etwas wie: Passiert hier irgendwas? Stimulation bringt mich in Bewegung: sonst fällt alles in Stille, da ist einfach nichts, nichts ist wirklich da. Es war mein ganzes Leben lang so. Ich hatte kein Interesse an einer Karriere oder den Freuden der Welt, aber da war ein nicht zu stoppender Schwung auf das innere nach Hause kommen. Das war das einzige, was mich jemals interessiert hat. Tatsächlich haben mich meine Kinder, die ich aufzog, weitergehen lassen. Jetzt sind es meine Studenten in der Sangha*, die mich weitergehen lassen. Die Sacha-Tradition* ist erfüllt von einem starken Bodhisattva Gefühl. Bodhisattvas haben ein leidenschaftliches Verlangen, Menschen von ihrem Leiden zu befreien. Sie stehen allen zur Verfügung und ihr Leben und ihre Hingabe ist eine große Inspiration, um Freiheit und Frieden zu realisieren. Du könntest dich fragen: Ist da denn noch etwas zu verbessern in der Welt? Hast du nicht gesehen, dass alles Illusion ist und perfekt, so wie es ist? Und was meinst du damit, ein Verlangen? Darauf antwortet der Bodhisattva: Ja, wir wissen das alles, wir haben es tief betrachtet, aber trotzdem akzeptieren wir dieses leere Verlangen und dienen einfach, mit leeren Händen dienen wir. Es ist alles so subtil und voller Nuancen. Wie kannst du Dinge wie diese sagen: es ist wie dies oder es ist wie das? Wie kannst du noch an einer Meinung festhalten?
Frage: Fand ShantiMayi es wichtig, dass du sprichst?
Prajnaparamita: Sie sagte irgendwas darüber. Auch wenn ich mein ganzes Leben gewusst habe, dass es meine Bestimmung ist, war es trotzdem völlig natürlich für mich still zu bleiben und in dieser Stille für den Rest meines Lebens zu sein. Wie auch immer, sie gab mir einen kraftvollen Impuls and sagte zu mir: " Du hast zu viel zu geben, verteile das Licht in die ganze Welt und sei einfach verfügbar". Sie sagte: "Du bist zu jung, um in Stille zu bleiben oder um in den Himalaya zu gehen, du musst Satsang geben".
Frage: Aber Du hast schon vorher gewusst, dass Du sprechen würdest?
Prajnaparamita: Als ich sehr jung war, wusste ich nicht genau was, aber ich wusste, dass ich im Dienst der Menschheit stehen würde. Als ich Alexander traf, erkannte ich augenblicklich: Das ist, was ich gesucht habe, seit ich drei Jahre alt war. Das ist, was ich immer am meisten vermisst habe und nach dem ich mich so intensiv gesehnt habe. Ich bin in einer Welt aufgewachsen, die verstandes- und kulturorientiert war. Alles war da, aber das, was das essentiellste für mich war, fehlte. Als ich eine Jugendliche war, begann ich meine Suche in der Kirche, in der Philosophie und Psychologie, aber ich fand nichts, was tiefe Resonanz zeigte. Ich fand Dogmen, Glaube, Fragmente und Teilungen. Im Lauf der Jahre wurde ich immer mehr entmutigt. Ich fühlte mich wie eine Außerirdische in der Welt, die sich mir präsentierte. Am Ende traf ich Alexander und ich sah in seinen Augen, wonach ich mich mein ganzes Leben gesehnt hatte. Frage : Was hast Du gesehen? Prajnaparamita: Zuhause! Ich dachte: Siehst du, es existiert ! Um was es im Leben wirklich geht, sehe ich hier, in seinen Augen... Zu dieser Zeit war ich am Ende mit meinem Latein, ich war so verzweifelt, ab dem Alter von 3 Jahren bis zum achtundzwanzigsten Lebensjahr, hielt ich alles gerade mal so zusammen. Alles in mir schrie nach dem, aber ich wusste nicht, was das war. Ich wusste nur, dass wirkliches Glücklichsein etwas mit totaler Freiheit zu tun hat und mit nichts anderem als dem. Ich realisierte, dass alle Aspekte des Lebens zweitrangig sind, um absolute Freiheit zu erlangen. Aber ich wusste nichts über die Existenz von Gurus und Selbstrealisation. Auf meiner Suche ist mir nirgends Spiritualität begegnet.
Dann eines Abends, ich saß mit einigen Menschen in einem kleinen Dachzimmer mit Alexander. Dort sitzend und nur die Möglichkeit erkennend, das zu erlangen, was ich in seinen Augen sah... war ich bereit zu sterben. Das Verlangen war so intensiv, das Leiden so groß, ich warf mich vollkommen in seine Lehren, es gab kein Zurückhalten. Und ich habe alles und alles und alles eingesetzt, um Zuhause in mir zu finden Frage : Kannst Du etwas mehr darüber sagen? Prajnaparamita: Das englische Wort Mind (im Deutschen: Verstand - Mind wird verstanden als die Summe von Gedanken und Empfindungen) kommt von dem Sanskrit Wort "manas": das, was beurteilt und vergleicht. Der Standpunkt, den wir "Ich" nennen, sich beziehend auf alles, was vergleicht und beurteilt, muss als Illusion gesehen werden. Diese Überzeugung ist der Unterschied zwischen Unwissenheit und Freiheit. "Ich" ist der Unterschied zwischen Unwissenheit und Freiheit. Man muss sehen, das es kein Ich und kein Du gibt, kein Ich und die Welt, kein Innen und kein Außen, nur das unteilbare Eine. Und sogar dieses Eine ist zu viel. Diese Sicht ist so tief; Worte kommen da nicht hin, keine Erfahrung kommt da hin. Unerschütterlich in dieser Realisation verankert sein... Nichts mehr verteidigen, nichts mehr beweisen, nichts mehr zurückweisen. Einfach verfügbar sein mit einem klaren Kopf und einem überfließenden Herzen.
Frage : Würdest du sagen, dass der Moment der Selbstrealisation der Vorbote der alles befreienden Einsicht war?
Prajnaparamita: Es war ein Beenden auf eine Art. Die Einsichten waren schon da. Ich kann nicht sagen, dass mir alle möglichen Arten von tiefen Einsichten nach der Selbst-Realisation gekommen sind. Dieser goldene Nicht-Moment war kein Vorbote von neuen Offenbarungen, es war mehr ein Siegel und die Vollendung aller Einsichten.
Frage : Du sagst damit: Der Moment der Selbstrealisation war das Ende des Weges. Prajnaparamita: Ja, auf eine Art... eine Besiegelung.
Frage : Hat sich danach nichts verändert? Prajnaparamita: Nisargadatta hat eine wunderschöne Definition von Selbstrealisation: sich nicht länger vorstellend mit dem Körper, Gedanken und Gefühlen identifiziert zu sein. Wunderschön! Aber wissen und erkennen ist nicht genug. Du musst es wirklich leben, immer. Sind die Handlungen ethisch und wesentlich? Kommt eine innere Moral ins Sein? Kannst du dich noch messen an etwas nach der Selbstrealisation, zum Beispiel am Benehmen? Schwierige Fragen, wie bestimmen wir das Unbestimmbare? Lass uns sehen, ob wir einen anderen Geschmack bekommen können: Liebe, für alles, was ist und Weisheit, Einfachheit, grenzenloses Mitgefühl, pure Präsenz, Selbstlosigkeit, keinen Sinn von Besitztum, klare Augen... Einige Meister behaupten sogar, dass du noch nicht einmal auf dem Weg begonnen hast, du hast noch nicht einmal die ersten Schritte gemacht, solange du nicht zur Selbstrealisation gekommen bist. Andere sagen, wenn du eine tiefe Offenbarung hattest, dass das Selbstrealisation ist und danach kann die Reinigung beginnen. In meinem Leben waren die Reinigung und die Einsichten zuerst da und dann kam die Selbstrealisation... Und was war das? Ich habe niemals mit jemandem über diesen prächtigen Nicht-Moment gesprochen, ich habe es nicht einmal ShantiMayi erzählt. Es passierte in Indien.
Frage : Der letztendliche Stoß?
Prajnaparamita: Es war kein Stoß, es war wirklich Erleuchtung, all meine Zellen waren erleuchtet. Es war eine körperliche Erfahrung, die Stunden und Stunden in der Nacht angedauert hat. Es war so subtil, dass es mir hätte entgehen können, wenn ich dem nicht äußerst aufmerksame Beachtung geschenkt hätte, so wie du einen Traum vergisst im Moment des Aufwachens. In dieser Flut von Licht war eine immense Kraft, die mich durchfloss. Mein Körper konnte es kaum aushalten. Am nächsten Morgen ging ich wie gewöhnlich in den Ashram. Nichts hatte sich verändert. Ich habe das goldene Geschehen nicht interpretiert. Ich habe ihm keine Bedeutung zugeschrieben. Erst viel später habe ich realisiert: Diese Nacht, diese Nacht ist es gewesen, die Besiegelung.
Frage : Gab es beeindruckende Veränderungen in dieser Phase? Prajnaparamita: Ja, die Wahrnehmung von vollständiger Autonomie und das Aufsteigen von Autorität, wie ich sie vorhin erwähnte, eine Autorität, die von dort aufsteigt, wo jede Spur von Selbstbewusstsein verschwunden ist. Das gab meinem Leben einen winzigen, aber riesigen Wandel in allen Bereichen, auch mit ShantiMayi - nichtsdestotrotz, bleibt sie mein Guru, mein Herz ruht für immer in ihrem Herzen... - die Bereitschaft mich einzubringen, zu verbeugen und zu empfangen, wer weiß wie viel mehr...
Und ShantiMayi lebt in tief greifender Hingabe zu ihrem Meister, Maharajji. Und Maharajji lauscht innerlich immer noch tief den Belehrungen seines Gurus. Das ist etwas sehr bemerkenswertes in dieser Linie. Gar nicht so wie die Vorschläge, die du oft in spirituellen Kreisen bekommst: Okay, Jungs, gut, der Job ist getan, die Welt existiert nicht, ich existiere nicht, du existierst nicht und für den Rest lass uns Ferien machen....
In dieser Sacha Linie hast du gelernt bis zum Tiefsten, was es heißt ein Schüler zu sein. Und du bleibst ein Schüler bis ans Ende deines Lebens, sogar wenn du selbst zum Meister erwacht bist. Das ist ein ziemlicher feiner Tanz.
Frage : Denkst Du, dass es nötig ist, dass ein Meister dein Erwachen bestätigt? Prajnaparamita: Nein, natürlich nicht. Würdest du nicht absolut sicher sein und unerschütterlich nach allem? Eine Bestätigung ist auf jeden Fall nicht nötig. Da ist die Qualität der Zweifellosigkeit und die Kraft der inneren Autorität, die erwacht. Diese Autorität ist aus der Zweifellosigkeit geboren und ist vollkommen unpersönlich.
Frage: Bezieht sich das Mantra: Gate Gate Paragate Parasamgate Bodhi Svaha* auf die Phase vor oder nach der Selbst-Realisation?
Prajnaparamita: Es bezieht sich auf beide. Lass uns einfach Gate, Gate... immer in unserer Tasche behalten. Die Tendenz zu fordern, verbrennt nicht einfach zu Asche, "Ich bin selbst-realisiert" wird eher zu schnell als zu langsam verkündet, aber was weiter und weiter geht, ist Ausdehnung und mehr und mehr Subtilität und mehr und mehr Kraft.
Frage : Was meinst Du mit "mehr Kraft"? Prajnaparamita: Als ich begann, Satsang zu geben, war ich wie ein "Mini". Jetzt bin ich mehr wie ein "Opel" auf dem Weg ein LKW zu werden... so etwas wie das. Es ist irgendwie die Bedeutung von mehr Kapazität zu haben. Fähigkeiten können sich in alle Richtungen unendlich ausweiten. Wie auch immer, die größte Kapazität ist bedingungslose Liebe. Diese trägt alles, öffnet alles und hat die größte Kraft. Bedingungslose Liebe ist das Höchste. Lasst uns nie ein letztendliches Ziel machen, und wach bleiben, auf des Messers Schneide lebend, Menschlichkeit lebend, Nicht-Wissen lebend, im freien Fall lebend, in Gottes Armen lebend.

*Alexander Smit: Prajnaparamitas erster spiritueller Lehrer (aus der Advaita Vedanta Linie von Nisargadatta) *Sangha: Eine Gruppe von Schülern, die sich um einen Meister versammelt haben, um mit dessen Hilfe, die höchste Wahrheit zu realisieren *Sadhana: Spirituelle Praktiken, die Lehren anwendend *Sacha Tradition: Jahrhundertalte Linie der Übertragung von der Prajnaparamita den Auftrag bekam zu lehren. Sacha bedeutet: Wahrheit in allem und jedem *Gate Gate Paragate Parasamgate Bodhi Svaha: Geh, geh, geh jenseits, geh jenseits von dem Höchsten, jenseits der höchsten Realität, jenseits Selbstrealisation, geh auch jenseits von dem. (Aus dem Herz Sutra)
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